
Das Vignale-Coupé ist ein faszinierendes Beispiele italienischer Rennwagenbaukunst der frühen 1950er-Jahre und vereint innovative Technik, exklusives Design und Motorsportgeschichte. Die blaue Berlinetta mit der Chassisnummer 1120 steht für den technischen Anspruch und die ingenieurorientierte Philosophie der Maserati-Brüder, die 1947, nachdem sie 1937 die nach Ihnen benannte Sportwagenmanufaktur an den Modeneser Industriellen Adolfo Orsi verkauften, mit OSCA eine weitere eigene Sportwagenmarke gründeten. Ziel war es, leichte und hochdrehende Rennfahrzeuge zu entwickeln, die in kleineren Hubraumklassen konkurrenzfähig waren.
Technische Basis bildete der robuste Fiat-1092-Kubikzentimeter-Motorblock, den OSCA mit einem eigenentwickelten Aluminium-Zylinderkopf deutlich aufwertete. Der entscheidende Entwicklungsschritt erfolgte 1950 mit der Einführung eines doppelt obenliegenden Nockenwellenzylinderkopfs, der die Leistung auf rund 100 PS steigerte und dem MT4 eine ausgezeichnete Leistungsdichte verlieh. Während frühe OSCA-Modelle überwiegend als offene Barchettas ausgeführt waren, markierte der Wechsel zur geschlossenen Berlinetta-Karosserie einen stilistischen und aerodynamischen Fortschritt. Für das Einzelstück mit der Nummer 1120 zeichnete Giovanni Michelotti verantwortlich, umgesetzt von Carrozzeria Vignale.

Die Karosserie überzeugt durch klare Linien, stark modellierte Flanken und eine markante Frontpartie, die dem Fahrzeug optische Spannung verlieh. Auftraggeber Mario Damonte setzte den Wagen 1952 bei den 24 Stunden von Le Mans ein, wo er trotz überzeugender Vorstellung nach 19 Stunden wegen eines Kupplungsdefekts ausschied. Bereits ein Jahr später gelang die sportliche Revanche: Gemeinsam mit Pierre-Louis Dreyfus gewann Damonte 1953 die 1100-ccm-Klasse in Le Mans.
Nach einigen Besitzerwechseln verschwand der Wagen ab 1956 aus der Öffentlichkeit und tauchte erst 1997 wieder auf, als er nach Japan verkauft wurde. Heute gilt der OSCA MT4 Berlinetta Vignale als bedeutendes Zeugnis italienischer Ingenieurskunst und als exemplarisches Bindeglied zwischen Kleinserien-Renntechnik und avantgardistischem Karosseriedesign.

Fotos/Text: Rainer Roßbach
