Porsche 718 RS61 Spyder 1961

Rétromobile Paris 2026

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OSI Silver Fox 1967
OSI Silver Fox, 1967

Die Oldtimermesse im Paris Expo Porte de Versailles präsentierte eine herausragende Vielfalt klassischer Automobile, Prototypen, technologischer Meilensteine und legendärer Rennfahrzeuge. Die 50. Ausgabe bestätigte ihren Rang als Europas führende Klassiker-Leitmesse. Mit über 600 Fahrzeugen in den Pavillons 4 und 7 bot die Messe einen umfassenden Querschnitt historischer und experimenteller Technik. Neben klassischen Renn- und Sportwagen standen technologische Errungenschaften in Konstruktion, Antrieb und Fahrzeugkonzept im Fokus. 

Bugatti-Schnelltriebwagen 1933/35
Bugatti Autorail, 1933/35

Ein zentrales Ausstellungsstück war die Würdigung von Ettore Bugatti und seiner Ingenieurskunst: Der seltene Bugatti Autorail, ein 23 Meter langer Schienenzug mit vier 12,7-Liter-Motoren aus dem Bugatti Royale-Projekt, demonstrierte die Übertragung automobiler Technik auf Schienenfahrzeuge und stellte gleichzeitig einen seltenen mechanischen Zeitzeugen dar. Ergänzend zeigte die Ausstellung acht weitere ungewöhnliche Prototypen, darunter frühe elektrische Konzepte und experimentelle Rennwagen, die Bugattis avantgardistische Visionen sichtbar machten. 

Citroën Karin Trevor Fiore 1980
Citroën Karin, Trevor Fiore, 1980

Traditionelle Automobiltechnik fand sich auch in den Markenpräsentationen großer Hersteller. Stellantis zeigte sieben historische Citroën-Prototypen, vom 1939er Traction Avant 15-6 Cabriolet über den teardrop-förmigen C 10 bis hin zum futuristischen ELO-Konzept, und damit eine technische Entwicklung von aerodynamischen Formen, elektronischer Hydractive-Federung bis zu modernen Designideen. Ebenso präsentierte Alfa Romeo Klassiker wie den Duetto Spider, den 750 Competizione-Prototyp und den 33/2 Periscopica, die unterschiedliche technische Schwerpunkte wie Leichtbau, Motorenkonfigurationen und Renn-Innovation dokumentierten. 

Jenny Holzer, BMW Art Car 1999
Jenny Holzer, BMW Art Car, 1999

Ein weiteres technisches Highlight waren die BMW Art Cars, bei denen die Verbindung von Kunst und Ingenieursleistung im Motorsport sichtbar wurde: Sieben Le-Mans-Rennwagen mit charakteristischen Lackierungen illustrierten die Symbiose aus Hochleistungsantrieb, Chassis-Design und künstlerischer Interpretation. Parallel dazu zeigten Club- und Herstellerstände die technische Entwicklung der Rallyetechnik, einschließlich Lancia Stratos- und Alpine-A110-Modellen, sowie historische Getriebe- und Aufhängungskonzepte. 

Fiat Abarth X1/9 Prototipo 1974

Abseits der großen Marken bot die Messe technische Tiefe auch bei Youngtimern und Spezialmodellen. Innovative Supercars und neu interpretierte Klassiker, darunter ultraleichte Karosserien, Hybrid-Antriebe und moderne Materialstrategien, zeigten den technischen Bogen von der Vorkriegsära bis zur Gegenwart. Ergänzend boten Aussteller Fachvorträge zu Restaurierungstechniken, präziser Messtechnik bei der Teilefertigung und historischer Wartung, was die Retromobile als lebendiges Forum für mechanisches Wissen und automobilen Fortschritt etablierte. 

Ferrari FXX K Evo, 2018
Ferrari FXX K Evo, 2018, Gooding Christies

Im Fokus der Gooding Christie’s-Auktion am 29. Januar 2026 standen technische Meilensteine der Automobilhistorie: Der 1984er Ferrari 288 GTO mit seinem 2,8-Liter-V8-Motor und Twin-Turbo-Aufladung stellte mit €9,117,500 ein neues Auktionsmodell-Rekordergebnis auf und belegte damit die anhaltende Wertschätzung hochentwickelter Technik in limitierter Produktion. Ebenfalls technisch bemerkenswert waren der 2018 Ferrari FXX K Evo mit hybridgestütztem Antriebsstrang und knapp 1,000 PS, sowie ein 1938er Talbot-Lago T150-C-SS Teardrop Coupé mit stromlinienförmiger Karosserie, die beide deutlich über der Millionen-Marke lagen. Weitere technische Highlights waren ein Lamborghini Miura P400 SV mit transaxialer Fünfgang-Getriebekonstruktion und moderne Ferrari-Modelle mit Leichtbau- und Aerodynamik-Strategien. 

Voisin C30 1939
Voisin C30, 1939, Bonhams

Parallel zur Christie’s-Versteigerung trat Bonhams am 30. Januar 2026 mit der „The Paris Sale“ auf den Plan: Aufgeboten wurden rund 80 Fahrzeuge klassischen wie jüngeren Ursprungs. Technisch relevante Objekte umfassten unter anderem einen 1934 Mercedes-Benz 500K mit Kompressoraufladung sowie eine Auswahl italienischer Klassiker wie einen Alfa Romeo 6C 2500. Diese Fahrzeuge zeigten frühe Mehrventil- und Kompressortechnik, Vorkriegsaufhängungen und klassische Motorenkonstruktionen, die das breite Spektrum mechanischer Innovationen vor Augen führten. Bonhams verlegte seine Auktion zudem an den Polo de Paris, weg vom klassischen Messeumfeld. 

Fotos/Text: Rainer Roßbach