Auto Union Typ B Lucca/Avus

Auto Union „Lucca“

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Auto Union Typ B Lucca/Avus
Auto Union Typ B Lucca/Avus

Mit dem  „Lucca“ erweitert Audi Tradition seine historische Silberpfeil-Sammlung um einen technisch außergewöhnlichen Rekordwagen der Vorkriegszeit. Die Rennlimousine basiert auf jenem Fahrzeug, mit dem Hans Stuck am 15. Februar 1935 auf einer italienischen Autostrada nahe Lucca eine gemessene Höchstgeschwindigkeit von 326,975 km/h erreichte. Die Durchschnittsgeschwindigkeit über die Meile bei fliegendem Start lag bei 320,267 km/h – ein international beachteter Rekord und seinerzeit eine Demonstration deutscher Ingenieurskunst.

Der Auto Union Lucca entstand in einer Phase intensiven Wettbewerbs zwischen Auto Union und Mercedes-Benz. Geschwindigkeit galt damals als entscheidender Maßstab technologischer Überlegenheit. Für die Rekordfahrten entwickelte die Rennsportabteilung der Auto Union auf Basis des Grand-Prix-Wagens ein aerodynamisch optimiertes Fahrzeug mit geschlossener Karosserie. Entscheidende Erkenntnisse lieferte der Windkanal der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin-Adlershof – ein damals revolutionärer Ansatz im europäischen Rennwagenbau.

Die stromlinienförmige Aluminiumkarosserie mit verkleideten Rädern, langem Heck und geschlossener Cockpitkanzel reduzierte den Luftwiderstand erheblich. Ergänzt wurde das Konzept durch einen auf rund fünf Liter vergrößerten 16-Zylinder-Kompressormotor mit damals 343 PS. Bereits die historische Konstruktion zeigte, wie konsequent Auto Union Aerodynamik, Leichtbau und Motorentechnik miteinander kombinierte.

Audi Tradition ließ den Auto Union Lucca anhand historischer Unterlagen und Fotografien durch die britischen Spezialisten von Crosthwaite & Gardiner vollständig neu aufbauen. Das Projekt dauerte mehr als drei Jahre. Sämtliche Bauteile entstanden in Handarbeit. Für Demonstrationsfahrten nutzt der Wagen heute einen technisch kompatiblen 6,0-Liter-V16 des Auto Union Typ C mit 520 PS. Das Leergewicht beträgt lediglich 960 Kilogramm. Besonders bemerkenswert ist der im Audi-Windkanal gemessene cW-Wert von 0,43 – ein beeindruckender Wert selbst nach modernen Maßstäben.

Technisch orientiert sich der Nachbau eng am historischen Vorbild, integriert jedoch gezielte Modifikationen für höhere thermische Stabilität und Zuverlässigkeit im Fahrbetrieb. Der Auto Union Lucca kann zudem mit geringfügigen Änderungen in die spätere Avus-Konfiguration umgebaut werden.

Auto Union Typ B Lucca/Avus
Der Lucca-Wagen bei den Rekordfahrten in Italien (14./15. Februar 1935).

Fotos: Audi/Text: Rainer Roßbach