
Die Erprobung des künftigen Formel-E-Rennwagens von Porsche läuft auf Hochtouren. Der neue GEN4-Monoposto erreicht eine Systemleistung von bis zu 600 kW (816 PS), verfügt über permanenten Allradantrieb, neue Reifen und ein deutlich gesteigertes Aerodynamikniveau. Damit verschiebt die vierte Generation der Formel-E-Fahrzeuge die technischen Grenzen spürbar. Entscheidend für den Fortschritt sind eigens entwickelte Porsche-Komponenten, die trotz höherer Leistungsanforderungen leichter, langlebiger und zugleich kosteneffizienter ausgelegt sind.
Bis Oktober bleibt Porsche Motorsport Zeit, das bislang umfangreichste Hardware-Paket des Herstellers für die Formel E weiterzuentwickeln. Danach rückt die kontinuierliche Software-Optimierung in den Mittelpunkt. Die Entwicklungszyklen ähneln dabei bewusst denen der Serienfahrzeuge, allerdings unter deutlich extremeren Bedingungen. Ziel ist es, Technologien mit direktem Mehrwert für elektrische Sportwagen zu entwickeln.

Mit der Einführung der GEN4 kommen zwei zentrale Eigenentwicklungen hinzu: ein neuer Gleichspannungswandler sowie ein Brake-by-Wire-System. Bereits zuvor verantwortete Porsche unter anderem Betriebssoftware, Pulswechselrichter, Elektromotor, Getriebe, Differenzial, Antriebswellen sowie zahlreiche Kühl-, Träger- und Fahrwerkskomponenten an der Hinterachse. Der Wirkungsgrad des aktuellen Antriebsstrangs liegt bei über 97 Prozent, womit weniger als drei Prozent der Energie zwischen Batterie und Rad verloren gehen.
In der frühen Testphase standen Zuverlässigkeit und Systemintegration im Fokus, zunehmend verschiebt sich die Arbeit nun auf Performance und Feinabstimmung. Aufgrund limitierter Testtage erfolgt ein Großteil der Validierung im Simulator. Bis Mitte Januar absolvierte das GEN4-Entwicklungsfahrzeug 1.472 Kilometer auf den Rennstrecken von Monteblanco und Almería. Vor der FIA-Homologation im Herbst wird auch das Porsche-Kundenteam in die Erprobung eingebunden.
Die Rückmeldungen der Werksfahrer bestätigen den technischen Quantensprung. Mehr Abtrieb, massive Beschleunigung und der permanente Allradantrieb verändern das Fahrverhalten grundlegend und dürften das Racing in der kommenden Formel-E-Ära nachhaltig prägen.



Fotos: Porsche/Text: Rainer Roßbach
