
Als DB Mark II „UMC 272“ werden die vier Prototypen-Modelle aus dem Jahr 1949 bezeichnet, die als direkte Entwicklungsstufe für den späteren Serien-Erfolg Aston Martin DB2 dienten. Nach dem Einstieg des neuen Eigentümers David Brown folgte das Fahrzeug firmenintern auf den „Two Litre Sports“ (heute Aston Martin DB1 genannt) und wurde daher als Mark II deklariert. Die Prototypen wurden am 26. April 1949 offiziell zugelassen und legten das Fundament für Aston Martins künftige Modelle.
Die ersten beiden Prototypen nutzten noch den alten 2,0-Liter-Vierzylinder-Pushrod-Motor. Für den dritten und vierten Prototyp kaufte David Brown die Marke Lagonda auf, um an den überlegenen 2,6-Liter-Reihensechszylinder (LB6) von Walter Owen Bentley zu gelangen.

Die Karosserie von Frank Feeley, der mit der Übernahme Lagondas zu Aston Martin wechselte, trägt noch viele Merkmale klassischer britischer Sportwagen der späten 1930er-Jahre. Die Räder stehen weit außerhalb der Fahrgastzelle, die vorderen Kotflügel sind als eigenständige Volumen ausgeformt und gehen erst allmählich in die Motorhaube über. Auch die vergleichsweise hohe Gürtellinie, die aufrechte Frontpartie und die nahezu senkrechte Windschutzscheibe verraten noch die Konstruktionsphilosophie der Vorkriegszeit. Gleichzeitig wirkt die Dachlinie bereits deutlich flacher und aerodynamischer als bei den meisten britischen Sportwagen unmittelbar nach dem Krieg.
Gerade diese gestalterische Spannung macht den Wagen außergewöhnlich. Während italienische Hersteller wie Ferrari oder Cisitalia bereits stark pontonförmige Karosserien entwickelten, hielt Aston Martin zunächst an der klassischen britischen Formensprache fest. Feeley modernisierte sie jedoch behutsam. Die lange Motorhaube, das weit hinten platzierte Greenhouse und das fließende Fastback-Heck kündigen bereits den späteren DB2 an, ohne die traditionelle Gliederung der Karosserie vollständig aufzugeben.

Auch die Front erzählt diese Übergangsphase. Der hohe, fast freistehende Kühler erinnert noch an Vorkriegskonstruktionen, obwohl er bereits in die Karosserie integriert wurde. Die kleinen rechteckigen Lufteinlässe neben dem Kühler, die aufgesetzte Hutze auf der Motorhaube und die freistehenden Rundscheinwerfer wirken funktional und verzichten auf dekorative Elemente. Erst die Serienversion von 1950 erhielt die weiterentwickelte Front mit der heute typischen Aston-Martin-Grillform.
Auch konstruktiv ist der Wagen ein Übergangsmodell. Das Rohrrahmen-Chassis geht direkt auf Claude Hills Vorkriegsentwicklungen zurück, während der neu entwickelte Lagonda-Reihensechszylinder unter Leitung von W. O. Bentley bereits die technische Zukunft des Unternehmens verkörpert. Damit treffen in diesem Prototyp zwei Ingenieursschulen aufeinander: das klassische britische Sportwagenkonzept der 1930er-Jahre und der moderne Gran Turismo der 1950er.
UMC 272 ist kein früher DB2 im üblichen Sinn, sondern ein rollendes Entwicklungsstadium, an dem sich die gestalterische und technische Neuausrichtung Aston Martins unmittelbar ablesen lässt.

Fotos/Text: Rainer Roßbach
