
Der 24. Juni 1956 markierte einen entscheidenden Meilenstein in der Karriere von Wolfgang Graf Berghe von Trips. Beim Gran Premio Supercortemaggiore, dem traditionsreichen 1000-Kilometer-Rennen von Monza, sollte der deutsche Rennfahrer erstmals offiziell für Enzo Ferraris Scuderia antreten. Obwohl ein technischer Defekt seinen Einsatz verhinderte, war dieses Wochenende der Beginn seiner erfolgreichen Verbindung mit Ferrari.
Dem Angebot aus Maranello gingen herausragende Leistungen in der Sportwagen-Weltmeisterschaft 1956 voraus. Gemeinsam mit Hans Herrmann gewann Trips im 12-Stunden-Rennen von Sebring die Klasse bis 1,5 Liter. Wenige Wochen später folgte beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring zusammen mit Umberto Maglioli der nächste Klassensieg. Mit dem lediglich rund 130 PS starken Porsche Spyder konnten die beiden gegen deutlich leistungsstärkere Konkurrenz überzeugen und hervorragende Gesamtplatzierungen erzielen.

Diese Leistungen blieben auch bei Ferrari nicht unbemerkt. Rennleiter Eraldo Sculati empfahl den jungen Deutschen Enzo Ferrari, der Trips kurzfristig einen Werkseinsatz beim Gran Premio Supercortemaggiore in Monza anbot.
Das Langstreckenrennen wurde von der italienischen Lotteriegesellschaft organisiert und vom Mineralölkonzern Agip-BP finanziert. Benannt war die Veranstaltung nach der Raffinerie im emilianischen Cortemaggiore. Ausgeschrieben war das Rennen für Sportwagen bis zwei Liter Hubraum sowie für Fahrzeuge der 1,5-Liter-Klasse.

Ferrari setzte auf seine bewährten 500 TR und 500 Mondial und verpflichtete nahezu alle Spitzenfahrer der damaligen Zeit. Die ursprünglichen Fahrerpaarungen lauteten Juan Manuel Fangio/Eugenio Castellotti, Peter Collins/Phil Hill, Olivier Gendebien/Alfonso de Portago sowie Wolfgang von Trips/Hans Herrmann.
Nach dem Training änderte Rennleiter Sculati jedoch die Besetzung. Mike Hawthorn ersetzte Phil Hill, während Harry Schell gemeinsam mit Wolfgang von Trips gemeldet wurde.

Die Werksmannschaft von Maserati trat mit sechs Fahrzeugen der Typen 200S und 150S an. Für Aufmerksamkeit sorgte außerdem das ostdeutsche Staatliche Rennkollektiv AWE, das mit zwei AWE 1500 RS und den Fahrern Edgar Barth, Arthur Rosenhammer, Paul Thiel und Egon Binner antrat. Insgesamt waren 66 Fahrzeuge gemeldet, 41 gingen an den Start.
Bereits kurz nach Rennbeginn platzte jedoch der Traum vom Ferrari-Debüt. Harry Schell, der den ersten Stint übernahm, schied bereits in der zweiten Runde aufgrund eines Getriebeschadens aus. Wolfgang von Trips kam dadurch nicht mehr zum Einsatz und musste das Rennen von der Box aus verfolgen.
Dennoch hinterließ der Kölner einen hervorragenden Eindruck. Seine schnellen Trainingszeiten überzeugten die Ferrari-Verantwortlichen nachhaltig. Bereits eine Woche später erhielt Trips die Einladung zum nächsten Werkseinsatz: Am 12. August 1956 sollte er beim Großen Preis von Schweden in Kristianstad erstmals in einem Formel-1-Ferrari starten.

Das Rennen selbst entwickelte sich zum erwarteten Duell zwischen Ferrari und Maserati. Den Sieg sicherten sich Peter Collins und Mike Hawthorn auf einem Ferrari 500 TR Touring nach 100 Runden beziehungsweise 1.000,204 Kilometern mit einer Fahrzeit von 5:07:13,900 Stunden. Rang zwei belegten Stirling Moss und Cesare Perdisa im Maserati 200S, während Juan Manuel Fangio und Eugenio Castellotti den dritten Platz erreichten.

Fotos: Cahier Archive/Text: Jörg-Thomas Födisch, Rainer Roßbach
