
Ferrari entwickelt mit dem 296 GT Modificata ein neues Tracktool für das nicht wettbewerbsorientierte Fahren im Rahmen des Club Competizioni GT. Das Fahrzeug basiert auf der Erfahrung mit dem 296 GT3 Evo, der zu Beginn der Saison 2026 debütierte, und verbindet Rennsporttechnik mit Lösungen aus Ferraris Sportwagenprogramm. Vorgestellt wurde der 296 GT Modificata digital während der Ferrari Racing Days in Budapest. Wie bereits der 488 GT Modificata von 2020 und der 499P Modificata von 2023 ist auch das neue Modell ausschließlich für den Einsatz auf der Rennstrecke konzipiert.
Im Mittelpunkt steht der 2.992 Kubikzentimeter große, hinten mittig angeordnete V6 mit 120 Grad Zylinderbankwinkel, vier Ventilen pro Zylinder und Trockensumpfschmierung. Der Biturbo-Sechszylinder leistet 730 CV beziehungsweise 537 kW bei 7.500/min und entwickelt maximal 800 Nm bei 5.000/min. Damit stehen 130 CV mehr zur Verfügung als beim 296 GT3 Evo, dessen Rennmotor den Einschränkungen des Balance-of-Performance-Reglements unterliegt. Die spezifische Leistung beträgt 244 CV pro Liter beziehungsweise 179 kW/l.

Für die Leistungssteigerung überarbeitet Ferrari unter anderem Kurbeltrieb, Nockenwellen, Ansaugtrakt, Ladeluftkühler und Turbolader. Die äußere Geometrie der Turboladergehäuse entspricht den Einheiten des 296 GT3 Evo, während die inneren Komponenten speziell für den 296 GT Modificata entwickelt wurden. Erfahrungen aus dem 499P Modificata fließen ebenfalls ein. Die Kraftübertragung übernimmt ein sequenzielles Sechsganggetriebe mit Carbonkupplung. Neue Übersetzungen sind auf das veränderte Drehzahl- und Leistungsband des Motors abgestimmt.
Auch die Aerodynamik wird spezifisch auf die höhere Performance abgestimmt. An der Front arbeitet ein sogenannter Slotted Splitter, der die Luftführung entlang des Unterbodens verbessert und die Erzeugung von Abtrieb unterstützt. Eine neu gestaltete Fronthaube besitzt eine größere Hauptöffnung sowie eine spezielle Luftleitvorrichtung. Sie lenkt die heiße Abluft des zentralen vorderen Kühlers so, dass die seitlichen Ladeluftkühler möglichst wenig beeinflusst werden. Zusätzlich wurde die Öffnung am Übergang zur Windschutzscheibe für das Thermomanagement überarbeitet.

Am Heck ersetzt Ferrari die bisherige Flügelarchitektur durch eine vollständig überarbeitete Lösung. Der neue Heckflügel verfügt über einen einzelnen zentralen Pylon, strukturell ausgelegte Endplatten und eine 5 Millimeter große Gurney-Flap. Die Endplatten sind vom 499P inspiriert und übernehmen neben ihrer strukturellen Funktion auch Aufgaben bei der Kontrolle der vom Flügel erzeugten Wirbel.
Für die Verzögerung wird das Bremssystem des 296 GT3 Evo und 296 GT3 Biposto weiterentwickelt. An der Vorderachse kommen neue Stahlscheiben mit verbesserter Belüftung zum Einsatz. Zusätzliche Lufteinlässe im unteren Bereich der Frontschürze erhöhen die Luftzufuhr zur Bremsanlage. Optimierte Kühlluftführungen verbessern den Luftstrom und damit die thermische Belastbarkeit. Ferrari kombiniert diese Hardware mit einem ABS-System, das auf eine möglichst zugängliche Performance über unterschiedliche Fahrerniveaus und auch bei längerer Belastung auf anspruchsvollen Rennstrecken ausgelegt ist.
Der Innenraum ist als Zweisitzer ausgelegt. Änderungen am Überrollbügel schaffen Platz für einen zweiten Sitz, sodass Passagiere oder Instruktoren an den Trackday-Einsätzen teilnehmen können. Ein eigener Fußraum für den Beifahrer sowie eine integrierte Gegensprechanlage ergänzen das Konzept. Zur serienmäßigen Ausstattung gehören unter anderem das Data Acquisition System in den Stufen 1 und 2, zusätzliche Sensoren für Geschwindigkeit, Dämpfer und Bremstemperatur, VideoBox Premium, Rear Camera Premium und das IRTPMS Step 2 zur Überwachung von Reifendruck und Reifentemperatur. Hinzu kommen Carbonkupplung, professionelle Sitzgurte und eine zusätzliche Lüfterfunktion zur Kühlung des Innenraums.

Der 296 GT Modificata ist 5.033 Millimeter lang, 2.230 Millimeter breit inklusive Außenspiegel und 1.082 Millimeter hoch. Der Radstand beträgt 2.660 Millimeter, die Spurweite vorn 1.726 und hinten 1.714 Millimeter. Das Trockengewicht liegt bei 1.330 Kilogramm, der Tank fasst 120 Liter. Auf der Vorderachse montiert Ferrari Reifen der Dimension 325/680 R18, hinten 325/705 R18. Die Bremsscheiben messen vorn 400 x 26 und hinten 332 x 32 Millimeter.
Ferrari gibt für den 296 GT Modificata das Potenzial an, die Rennstrecke von Fiorano drei Sekunden schneller zu umrunden als der 296 GT3 Evo. Der Name „Modificata“ steht dabei für eine von technischen Reglements weitgehend befreite Weiterentwicklung bestehender Ferrari-Konzepte. Mit dem 296 GT Modificata setzt Ferrari diese Tradition bei einem exklusiven Rennstreckenfahrzeug fort.
Zum Fahrzeug gehört die Teilnahme am Club Competizioni GT für zwei Jahre beziehungsweise zwölf Veranstaltungen. Der Kalender 2027 umfasst sieben Stationen: Jerez de la Frontera, Misano Adriatico, Fuji, Indianapolis, Paul Ricard, Spa-Francorchamps sowie das Finale im Rahmen der Ferrari Finali Mondiali.

Fotos: Ferrari/Text: Rainer Roßbach
