Zandvoort Historic 2026, Foto Jörg-Thomas Födisch

Zandvoort Historic 2026

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Werner d'Ansembourg, Jochen von Osterroth
Werner d’Ansembourg, © Jochen von Osterroth

Vom 19. bis 21. Juni wurde der Circuit Zandvoort erneut zum Treffpunkt des internationalen historischen Motorsports. Die 4,3 Kilometer lange Rennstrecke an der niederländischen Nordseeküste bot mit der Masters Historic Racing Series ein Programm, das die technische Entwicklung des Motorsports über mehrere Jahrzehnte nachvollziehbar machte. Im Mittelpunkt standen die Historic Grand Prix Cars der Baujahre 1947 bis 1965 sowie die Masters Racing Legends mit Formel-1-Fahrzeugen aus den Jahren 1966 bis 1985.

Besondere Aufmerksamkeit galt den Grand-Prix-Wagen der siebziger und frühen achtziger Jahre. Fahrzeuge wie Williams FW06, FW07C und FW08C, Lotus 78, Tyrrell 011, McLaren M29 und MP4/1, Arrows A4 und A6, March 761 und 781-2, Shadow DN9, Surtees TS9B sowie der seltene LEC CRP1 demonstrierten eindrucksvoll die Technik der legendären Cosworth-DFV-Ära. Der frei saugende Drei-Liter-V8 bestimmte über viele Jahre das Gesicht der Formel 1 und prägte mit seinem charakteristischen Klang eine ganze Motorsportgeneration. Gleichzeitig erinnerten zahlreiche Fahrzeuge an die Epoche des Bodeneffekts, die Ende der siebziger Jahre den Rennwagenbau grundlegend veränderte.

Zandvoort Historic 2026, Foto Jörg-Thomas Födisch
Zandvoort Historic 2026, © Jörg-Thomas Födisch

Sportlich dominierte der Belgier Werner d’Ansembourg das Wochenende. Der 28-Jährige gewann mit seinem Williams FW07C beide Rennen der Masters Racing Legends und setzte damit seine erfolgreiche Saison fort. Bereits in Paul Ricard und Brands Hatch hatte er Siege eingefahren. Der Williams FW07C besitzt selbst einen bedeutenden Platz in der Formel-1-Geschichte. In der Saison 1981 erzielten Alan Jones und Carlos Reutemann mit diesem Modell mehrere Grand-Prix-Erfolge. Williams gewann den Konstrukteurstitel, Reutemann wurde Vizeweltmeister.

Ergänzt wurde das Programm durch historische Langstrecken-Prototypen, GT-Fahrzeuge, Sportwagen sowie eine Auswahl klassischer DTM- und Tourenwagen. Große Aufmerksamkeit erhielt Harald Grohs, der im BMW M3 E30 einen viel beachteten Klassensieg feierte. Der 82-jährige Essener unterstrich damit erneut seine außergewöhnliche Erfahrung. Grohs begann seine Karriere 1973 im Porsche 911 T, gewann später Rennen im Renault-5-Pokal, in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft sowie 1976 gemeinsam mit Jody Scheckter das Neun-Stunden-Rennen von Kyalami im BMW 3.0 CSL. 1987 erzielte er den ersten großen DTM-Erfolg für den BMW M3 und gewann 1995 den Porsche Carrera Cup Deutschland.

Zandvoort Historic 2026, Foto Jörg-Thomas Födisch
Zandvoort Historic 2026, © Jörg-Thomas Födisch

Auch der Austragungsort besitzt eine außergewöhnliche Geschichte. Der von Hans Hugenholtz entworfene Circuit Zandvoort wurde 1948 eröffnet und entwickelte sich rasch zu einer der traditionsreichsten Grand-Prix-Strecken Europas. Zwischen 1952 und 1985 war er nahezu regelmäßig Austragungsort des Großen Preises der Niederlande. Nach umfassenden Modernisierungen kehrte die Formel 1 im Jahr 2021 auf den traditionsreichen Dünenkurs zurück.

Ron Maydon Foto: Master Racing Legends
Ron Maydon, © Master Racing Legends

Hinter der Veranstaltung steht Masters Historic Racing, das seit mehr als zwanzig Jahren zu den führenden Organisatoren historischer Rennserien zählt. Gründer Ron Maydon entwickelte das Konzept, historische Rennwagen nicht ausschließlich als Museumsstücke zu erhalten, sondern sie unter professionellen Bedingungen auf den bedeutendsten Rennstrecken der Welt einzusetzen. Seit dem ersten Rennen 2004 in Pau organisierte Masters Historic Racing mehr als 270 Veranstaltungen in 17 Ländern und deckt heute über sechs Jahrzehnte Motorsportgeschichte mit mehreren internationalen Rennserien ab. Damit verbindet die Organisation technische Authentizität, sportlichen Wettbewerb und den Erhalt bedeutender Rennfahrzeuge zu einer der wichtigsten Plattformen des historischen Motorsports.

Fotos: Jörg-Thomas Födisch (8), Foto: Master Racing Legends (19, Jochen von Osterroth (1)/
Text: Rainer Roßbach, Jörg-Thomas Födisch