Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé

Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé

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Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé

Mit dem neuen elektrischen AMG-Grenzgänger beginnt für die Performance-Marke aus Affalterbach eine neue technische Ära. Das viertürige Hochleistungsmodell basiert auf der neuen AMG.EA-Plattform und verbindet elektrische Antriebstechnik mit den klassischen AMG-Tugenden aus hoher Dauerleistung, extremer Fahrdynamik und emotionalem Fahrerlebnis. Im Mittelpunkt steht dabei ein vollständig neu entwickeltes Antriebskonzept mit drei Axial-Fluss-Motoren, das erstmals in einem vollelektrischen Serienfahrzeug von Mercedes-AMG eingesetzt wird.

Die Leistungsdaten markieren den Anspruch des Fahrzeugs unmissverständlich. In der stärksten Ausführung GT 63 4-Türer Coupé 4MATIC+ erreicht das System eine Spitzenleistung von 860 kW beziehungsweise 1.169 PS sowie ein maximales Drehmoment von 2.000 Newtonmetern. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 2,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt mit Driver’s Package bei 300 km/h. Selbst die schwächere Variante GT 55 4-Türer Coupé 4MATIC+ liefert noch 600 kW beziehungsweise 816 PS.

Technische Basis dieser Werte ist die von YASA entwickelte Axial-Fluss-Technologie. Der britische Spezialist gehört seit 2021 vollständig zur Mercedes-Benz AG. Anders als bei konventionellen Elektromotoren verläuft der elektromagnetische Fluss hier parallel zur Drehachse. Dadurch entsteht eine besonders kompakte Bauweise mit hoher Leistungsdichte und hohem Drehmoment. Zwei der Motoren sitzen an der Hinterachse, ein weiterer an der Vorderachse. Die hintere High Performance Electric Drive Unit integriert zusätzlich ein Planetenradgetriebe sowie zwei wassergekühlte Siliziumkarbid-Inverter.

Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé

Die Axial-Fluss-Motoren ermöglichen nicht nur hohe Spitzenleistungen, sondern vor allem eine außergewöhnliche Dauerperformance. Mercedes-AMG betont ausdrücklich die Fähigkeit, Leistung wiederholt und dauerhaft abrufen zu können. Genau diese Eigenschaft gilt bislang als zentrale Herausforderung im Bereich leistungsstarker Elektrofahrzeuge. Unterstützt wird dies durch ein aufwendiges Thermomanagement mit ölgekühlten Motoren, intelligentem Kühlkreislauf und hochintegrierter Steuerung.

Eine Schlüsselrolle übernimmt die neu entwickelte AMG High Performance Electric Battery. Die 800-Volt-Batterie basiert auf Erfahrungen aus dem Hypercar Mercedes-AMG ONE sowie aus der Formel 1. Insgesamt 2.660 Rundzellen arbeiten in 18 Modulen zusammen. Besonders auffällig ist die Bauform der Zellen mit einem Durchmesser von lediglich 26 Millimetern. Das reduziert die thermische Belastung und verbessert die Kühlleistung.

Hinzu kommt eine Direktkühlung jeder einzelnen Batteriezelle mit elektrisch nicht leitendem Kühlöl. Das System hält die Temperatur der Zellen konstant im optimalen Bereich und ermöglicht damit hohe Dauerleistung sowie kurze Ladezeiten. Ergänzt wird die Konstruktion durch lasergeschweißte Aluminiumgehäuse und eine sogenannte Full-Tab-Technologie, die den Innenwiderstand der Zellen reduziert.

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Auch die Zellchemie ist auf maximale Leistungsfähigkeit ausgelegt. Mercedes-AMG verwendet eine NCMA-Kathode mit Nickel, Kobalt, Mangan und Aluminium sowie eine siliziumhaltige Anode. Die Energiedichte liegt laut Hersteller bei über 298 Wh/kg. Gleichzeitig soll die Batterie eine hohe Lebensdauer sowie stabile Leistungsabgabe selbst unter extremer Belastung ermöglichen.

Besonders eindrucksvoll fällt die Ladeleistung aus. Das neue AMG GT 4-Türer Coupé unterstützt Ladeleistungen von mehr als 600 kW. Unter optimalen Bedingungen lassen sich in nur zehn Minuten mehr als 460 Kilometer WLTP-Reichweite nachladen. Der Bereich von 10 auf 80 Prozent Ladezustand soll in lediglich elf Minuten erreicht werden. Möglich wird dies durch die 800-Volt-Architektur, intelligente Vorkonditionierung und die aufwendige Zellkühlung.

Auch fahrdynamisch verfolgt Mercedes-AMG einen außergewöhnlich hohen technischen Aufwand. Das AMG ACTIVE RIDE CONTROL Fahrwerk kombiniert Luftfederung mit semi-aktiver Wankstabilisierung. Hydraulisch miteinander verbundene Dämpfer ersetzen klassische Stabilisatoren und reduzieren Wankbewegungen deutlich. Gleichzeitig erlaubt das System eine große Spreizung zwischen Langstreckenkomfort und sportlicher Präzision.

Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé

Die serienmäßige Hinterachslenkung arbeitet mit bis zu sechs Grad Lenkwinkel. Bei niedrigen Geschwindigkeiten lenken die Hinterräder entgegengesetzt zur Vorderachse und erhöhen so die Agilität. Bei höherem Tempo erfolgt die Lenkbewegung parallel zur Vorderachse, was die Stabilität verbessert.

Hinzu kommt der vollvariable Allradantrieb AMG Performance 4MATIC+ mit Torque Vectoring. Da die Elektromotoren unabhängig voneinander angesteuert werden, lässt sich das Antriebsmoment situationsabhängig zwischen Vorder- und Hinterachse sowie zwischen den Hinterrädern verteilen. Das verbessert Traktion, Stabilität und Fahrdynamik gleichermaßen.

Einen wichtigen Beitrag zur Performance leistet zudem die aktive Aerodynamik. Das Fahrzeug verfügt über aktive Venturi-Elemente im Unterboden, einen variablen Heckdiffusor sowie einen adaptiven Heckspoiler. Die Systeme passen den Luftstrom abhängig von Geschwindigkeit und Fahrsituation automatisch an und erhöhen den Abtrieb im Grenzbereich deutlich.

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Trotz des vollelektrischen Antriebs will Mercedes-AMG die emotionale Markenidentität erhalten. Dafür wurde das Fahrprogramm AMGFORCE S+ entwickelt. Es simuliert Schaltvorgänge, erzeugt haptische Rückmeldungen und reproduziert den Klangcharakter eines AMG-V8-Motors. Grundlage dafür waren umfangreiche Soundaufnahmen eines Mercedes-AMG GT R.

Im Innenraum verbindet das Fahrzeug digitale Technologien mit klassischen Sportwagenmerkmalen. Das Cockpit ist konsequent fahrerorientiert gestaltet und integriert ein 10,2 Zoll großes Kombiinstrument sowie einen 14 Zoll großen Zentralbildschirm unter einer gemeinsamen Glasfläche. Ergänzt wird das System durch das neue Betriebssystem MB.OS inklusive KI-Unterstützung durch ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini.

Mit Funktionen wie AMG Track Pace, AMG Performance Menu oder Predictive Performance Manager richtet sich das Fahrzeug auch klar an ambitionierte Fahrerinnen und Fahrer. Telemetriedaten, Rundenzeiten, Energiefluss sowie Aerodynamikstatus lassen sich in Echtzeit visualisieren und analysieren.

Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé

Die Produktion des neuen Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupés startet im Sommer 2026 im Werk Sindelfingen. Die Fertigung der Axial-Fluss-Motoren erfolgt im Mercedes-Benz Werk Berlin-Marienfelde. Dort kommen laut Mercedes-Benz mehr als 100 Produktionsprozesse zum Einsatz, von denen zahlreiche eigens entwickelt wurden.

Mit dem neuen AMG GT 4-Türer Coupé zeigt Mercedes-AMG, wie konsequent sich Hochleistungs-Elektromobilität technisch weiterentwickelt. Das Fahrzeug kombiniert extreme Leistungsdaten mit aufwendiger Kühltechnik, hoher Dauerbelastbarkeit, intelligenter Softwaresteuerung und innovativer Aerodynamik. Vor allem die Kombination aus Axial-Fluss-Motoren, 800-Volt-Batterie und konsequent auf Performance ausgelegter Thermotechnik hebt den viertürigen Sportwagen deutlich von bisherigen Elektrofahrzeugen im Hochleistungssegment ab. 

Fotos: Mercedes-AMG/Text: Rainer Roßbach