
British Racing Motors hat das einzige gebaute Exemplar des Group-C-Sportprototyps vollständig restauriert und in Silverstone erstmals wieder öffentlich präsentiert. Genau dort hatte der 1992 für die Sportwagen-Weltmeisterschaft entwickelte Rennwagen vor 34 Jahren sein Wettbewerbsdebüt gegeben. Jetzt soll der BRM P351 nicht nur als Exponat erhalten bleiben, sondern erneut, aber diesmal im historischen Wettbewerb eingesetzt werden.
Technisch repräsentiert der BRM P351 eine völlig andere Entwicklungsphase der britischen Rennsportmarke als die frühen Formel-1-Fahrzeuge. Sein Chassis basiert auf einem Carbon-Composite-Monocoque, während hinter dem Fahrer ein natürlich angesaugter 3,5-Liter-BRM-V12 arbeitet. Das originale Triebwerk und das originale Getriebe wurden im Rahmen der Restaurierung von Dawson Racing vollständig überarbeitet. Der P351 fährt inzwischen mit nachhaltigem Kraftstoff und wird auf seine Rückkehr in den aktiven Motorsport vorbereitet.
Seine ursprüngliche Rennkarriere begann 1992. Der P351 wurde für die damalige World Sportscar Championship entwickelt und trat unter anderem in Silverstone sowie beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans an. Im Qualifying von Le Mans erreichte der Sportprototyp auf der Mulsanne-Geraden rund 348 km/h. Damit lag seine Höchstgeschwindigkeit auf dem Niveau der damaligen Werkseinsätze von Peugeot und Toyota. Trotz seiner aufwendigen technischen Konstruktion blieb es bei einem einzigen fertiggestellten P351.

Die Restaurierung begann, nachdem BRM das Fahrzeug Ende 2024 erworben hatte. Mit der technischen Umsetzung wurde Ian Dawson von Dawson Racing beauftragt. Für ihn besitzt der P351 eine besondere Verbindung: Dawson hatte bereits in den 1990er-Jahren während der späteren Einsatzgeschichte des Fahrzeugs bei Pacific Racing mit dem Rennwagen gearbeitet.
Nach seiner ursprünglichen Group-C-Karriere war der P351 erheblich umgebaut worden. Aus dem geschlossenen Sportprototyp entstand in den 1990er-Jahren der offene BRM P301. Dabei wurde das Dach entfernt und der BRM-V12 durch einen doppelt aufgeladenen Nissan-V6 ersetzt. Die aktuelle Restaurierung machte diese Veränderungen rückgängig. Der P351 erhielt seine geschlossene Karosserie und damit die Spezifikation von 1992 zurück. Das fehlende Cockpitdach wurde anhand erhaltener Originalunterlagen und zeitgenössischer Fotografien rekonstruiert.
Für die Präsentation in Silverstone stellte BRM den P351 einem deutlich älteren Rennwagen gegenüber. Gemeinsam mit dem P15 V16 Chassis IV stand der jüngste Rennwagen der Marke auf dem Grid. Der P15 gilt als erster Formel-1-Rennwagen von BRM und markiert den Beginn der Markengeschichte im Jahr 1949. Sein 1,5-Liter-V16 war aufgeladen und verkörperte die technische Ambition der frühen britischen Rennsportmarke.

Die Verbindung zwischen beiden Fahrzeugen reicht damit über ihre unterschiedlichen Antriebskonzepte hinaus. Der P15 steht für den Einstieg von BRM in die Formel 1, der P351 für die spätere Entwicklung hin zum internationalen Langstrecken- und Sportwagenrennsport. BRM gewann 1962 mit Graham Hill die Fahrer- und Konstrukteurs-Weltmeisterschaft und bestritt im Laufe seiner Geschichte neben der Formel 1 auch Rennen in Le Mans, im Langstreckensport, bei Can-Am und im Rallyesport.
Die aktuelle P351-Restaurierung ist Teil von BRMs „Re-Awakening“. Die weiterhin im Besitz der Familie Owen befindliche Marke will ihre historischen Rennwagen nicht ausschließlich konservieren, sondern sie wieder aktiv einsetzen. Für den P351 ist deshalb bereits der nächste Schritt vorgesehen: ein erster Testtag noch in diesem Jahr. Anschließend soll der 3,5-Liter-V12-Sportprototyp wieder im Wettbewerb antreten. Details zu seinem geplanten Rennprogramm will BRM zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.

Fotos: BRM/Text: Rainer Roßbach
