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Fiat 124 wird 60

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Der Fiat 124 feiert 2026 seinen 60. Geburtstag. Zum Jubiläum zeigt der Heritage Hub in Turin die Sonderausstellung „Mi chiamo Fiat 124“ und dokumentiert die technische Vielseitigkeit eines Modells, das als Limousine, Sportwagen, Rallyefahrzeug und Lizenzbau zu einem der frühen Global Cars wurde.

Der Fiat 124 gehört zu den technisch und konzeptionell bedeutenden Modellen der italienischen Automobilgeschichte. Seine Weltpremiere feierte die viertürige Limousine im März 1966 auf dem Genfer Autosalon. Zum 60. Geburtstag widmet der Heritage Hub in Turin der Baureihe bis Ende November 2026 die Sonderausstellung „Mi chiamo Fiat 124“. Im Mittelpunkt stehen fünf unterschiedliche Fahrzeuge sowie historische Originalbroschüren, die die Entwicklung des Fiat 124 und seine internationale Verbreitung dokumentieren.

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Entwickelt wurde der Fiat 124 unter der Leitung des Ingenieurs Dante Giacosa. Das Konzept kombinierte kompakte Abmessungen, großzügige Platzverhältnisse und robuste Technik mit für die damalige Klasse fortschrittlichen Lösungen. Die etwas mehr als vier Meter lange Limousine wog lediglich 855 Kilogramm. Für den Antrieb sorgte zunächst ein von Aurelio Lampredi konstruierter 1,2-Liter-Vierzylinder mit 44 kW (60 PS). Die fünffach gelagerte Kurbelwelle und zwei obenliegende Nockenwellen unterstrichen den konstruktiven Anspruch des Motors. Hinzu kamen Scheibenbremsen an allen vier Rädern sowie eine Hinterachskonstruktion mit Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern. Das Zusammenspiel aus niedrigem Gewicht, kompakter Bauweise und moderner Fahrwerkstechnik sorgte für ein agiles Fahrverhalten. 1967 wurde der Fiat 124 zum „Auto des Jahres“ gewählt.

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Die technische Grundarchitektur erwies sich als besonders vielseitig. Auf ihrer Basis entstanden unter anderem das von Pininfarina gestaltete Cabriolet Fiat 124 Sport Spider und das vom Centro Stile Fiat entworfene Fiat 124 Sport Coupé. Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bildet eine speziell vorbereitete Limousine, die 1970 an der von „Quattroruote“ organisierten Langstreckenfahrt „Von Kap zu Kap“ teilnahm. Drei Fiat 124 fuhren dabei vom Nordkap nach Kapstadt. In 51 Tagen bewältigten sie mehr als 40.000 Kilometer über drei Kontinente. Wüsten, schwieriges Gelände, beschädigte Brücken und extrem lange Tagesetappen stellten Fahrzeuge und Besatzungen vor erhebliche Belastungen. Der Langstreckentest demonstrierte die konstruktive Robustheit des Fiat 124 eindrucksvoll.

Noch stärker trat das technische Potenzial der Baureihe im Motorsport hervor. Gemeinsam mit Abarth entwickelte Fiat den 124 Sport Abarth und kehrte damit auf die internationalen Rallyepisten zurück. Werksfahrer erzielten unter anderem Siege bei der Akropolis-Rallye. 1970 erreichte Fiat Rang zwei in der Internationalen Markenmeisterschaft hinter Lancia. 1972 wurde Fiat-Werksfahrer Raffaele Pinto Rallye-Europameister. Im Zuge der Weiterentwicklung wuchs der Hubraum auf 1,8 Liter. Als Gruppe-4-Fahrzeug leistete der später Fiat Abarth 124 Rallye genannte Zweisitzer bis zu 154 kW (210 PS). Erfolge in der italienischen Rallyemeisterschaft sowie bei Europa- und Weltmeisterschaft unterstrichen die Wettbewerbsfähigkeit des Konzepts.

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Seine größte Wirkung entfaltete der Fiat 124 jedoch außerhalb Italiens. Die einfache, robuste und anpassungsfähige Konstruktion machte ihn zu einem der frühen „Global Cars“. Lizenzversionen entstanden unter anderem bei SEAT in Spanien, LADA-VAZ in der Sowjetunion, Tofaş in der Türkei und Premier in Indien. Weitere Fahrzeuge wurden in verschiedenen Ländern montiert. Über einen Zeitraum von rund 40 Jahren entstanden weltweit mehr als 20 Millionen Fahrzeuge aller Modellvarianten. Allein die italienische Fiat-Produktion überschritt 1,5 Millionen Einheiten, darunter mehr als eine Million Limousinen.

Die Sonderausstellung „Mi chiamo Fiat 124“ zeichnet damit nicht nur die Geschichte eines einzelnen Fiat-Modells nach. Sie zeigt, wie aus einer technisch konsequent entwickelten Limousine eine weltweit verbreitete Fahrzeugfamilie entstehen konnte. Der Fiat 124 steht damit exemplarisch für eine frühe Form globaler Mobilität, bei der robuste Technik, Anpassungsfähigkeit und industrielle Skalierbarkeit miteinander verbunden wurden.

Fotos Centro Storico Fiat/Text: Rainer Rossbach