
Am 8. Oktober 2026 feiert Valentin Schäffer seinen 95. Geburtstag. Schäffer gehört zu jener Generation von Porsche-Technikern, für die Motorenentwicklung unmittelbar mit praktischer Arbeit am Aggregat verbunden ist. 1955 beginnt der in Ungarn geborene Schäffer seine Laufbahn bei Porsche als Motorenmechaniker. Bauteile werden zu dieser Zeit nicht nur konstruktiv ausgelegt, sondern zerlegt, vermessen, verändert und unter realen Bedingungen erprobt. Dieses Verständnis für das Zusammenspiel mechanischer Komponenten prägt seinen gesamten beruflichen Weg.

1961 absolviert Schäffer die Techniker- und Meisterprüfung. Bereits zuvor arbeitet er an unterschiedlichen Rennmotoren und sammelt Erfahrungen mit den Anforderungen, die sich aus Leistung, Kühlung und Dauerhaltbarkeit ergeben. Seine technische Bandbreite reicht von Vierzylinderaggregaten bis zu komplexen Zwölfzylindermotoren. 1956 ist er an der Entstehung des Typs 547/2 beteiligt, eines Vierzylindermotors für den Porsche 550 A Spyder RS.

Eine besondere Bedeutung haben für Schäffer die Achtzylinder-Königswellenmotoren Typ 753 und 771. Mit diesen Aggregaten erzielt Porsche Erfolge in der Formel 1, der Europa-Bergmeisterschaft und der Sportwagenweltmeisterschaft. Vor allem der Typ 771 bleibt Schäffer verbunden. Der Achtzylinder erreicht eine Literleistung von 138 PS und wird von ihm intensiv weiterentwickelt. Dabei beschäftigt er sich unter anderem mit der Auspuffanlage, um zusätzliche Leistung zu gewinnen. Die Entwicklungsarbeit endet für Schäffer nicht mit dem offiziellen Arbeitstag. Immer wieder nutzt er den Prüfstand, um das Verhalten des Motors zu analysieren und Verbesserungen umzusetzen.

1966 übernimmt Schäffer die Leitung der Rennmotorenentwicklung. Sein Vorgesetzter ist Ferdinand Piëch, der seit 1965 die gesamte Entwicklungsabteilung leitet. Zum technischen Umfeld gehört auch Hans Mezger. Unter Schäffers Verantwortung entstehen die Sechszylindermotoren für Porsche 906 Carrera 6 und Porsche 910. Gleichzeitig arbeitet er an der Weiterentwicklung des Achtzylinders für den Porsche 908. Hinzu kommt der Sechszylinder-Boxermotor Typ 916, der als Grundlage für den Porsche 908 und für Versuche mit dem Zwölfzylinder des Typs 912 im Porsche 917 dient.

Besonders anspruchsvoll ist die Arbeit an den Zwölfzylinder-Motoren des Porsche 917. Mit den Typen 912, 912/51 und 912/52 entstehen unterschiedliche Entwicklungsstufen des Rennmotors. Die Aufgabe besteht nicht allein darin, die Motorleistung zu erhöhen. Entscheidend ist, die zusätzliche Leistung mit Kühlung, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit zu einem funktionierenden Gesamtsystem zu verbinden. Gerade unter den extremen Bedingungen des Motorsports zeigt sich, ob ein Rennmotor seine konstruktiven Versprechen tatsächlich erfüllen kann.
Einen Höhepunkt bildet der 9. August 1975. Auf dem Talladega Superspeedway erreicht Mark Donohue mit dem Porsche 917/30 und dem Turbomotor Typ 912/52 eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 355,78 km/h. Der Rekord entsteht auf dem 2,66 Kilometer langen Oval und dokumentiert das Potenzial der von Porsche entwickelten Turbotechnik.

Von 1956 bis 1982 begleitet Schäffer zahlreiche Renneinsätze, darunter die Targa Florio, die CanAm-Serie und die 24 Stunden von Le Mans. Am 14. Juni 1970 erlebt er den ersten Gesamtsieg von Porsche in Le Mans: Hans Herrmann und Richard Attwood gewinnen mit dem 917 KH. Ein Jahr später widmet sich Schäffer der grundlegenden Überarbeitung des Turbomotors und erhält aufgrund seiner intensiven Beschäftigung mit dieser Technik den Spitznamen „Turbo-Valentin“.
Neben der Entwicklung arbeitet Schäffer regelmäßig unmittelbar an der Rennstrecke. Erfahrungen aus den Einsätzen fließen zurück in die technische Entwicklung. Diese Verbindung von Prüfstand, Werkstatt und Rennbetrieb bestimmt seinen Ansatz über Jahrzehnte. 1989 endet seine aktive Zeit bei Porsche und Schäffer geht in den Ruhestand. Seine Arbeit steht für eine Entwicklungsphilosophie, in der mechanisches Detailwissen, praktische Erfahrung und die konsequente Erprobung unter Wettbewerbsbedingungen untrennbar miteinander verbunden sind.

Fotos: Porsche/Text: Rainer Roßbach
