1990 Life 190 Brian Snelson

Life L190 W12 (1990)

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Landi Life 190 W12

Der italienische Formel-1-Monoposto gehört zu den faszinierendsten Außenseitern der Formel-1-Geschichte. Anfang der 1990er-Jahre versuchte das kleine italienische Team Life Racing Engines mit einer ungewöhnlichen technischen Idee den Sprung in die Königsklasse des Motorsports. Statt auf einen bewährten V8-, V10- oder V12-Motor zu setzen, vertrauten die Ingenieure auf ein neuartiges W12-Konzept. Das Ergebnis war ein Rennwagen, der bis heute als eines der ambitioniertesten und zugleich erfolglosesten Projekte der modernen Formel 1 gilt.

Der Life L190 erinnert an eine Zeit, in der kleine Konstrukteure noch bereit waren, große Risiken einzugehen, um gegen etablierte Teams wie Ferrari, McLaren oder Williams anzutreten. Er steht für den Mut, technische Konventionen zu hinterfragen, aber auch für die harte Realität eines Sports, der Innovation ebenso belohnt wie bestraft.

Der Monoposto war eine Weiterentwicklung des First F189, der wiederum auf dem ursprünglich für die Formel 3000 konzipierten March 88B von 1988 basierte. Damit beruhte das Fahrzeug bereits bei seiner Entstehung auf einer Konstruktion, deren beste Zeit eigentlich schon vorbei war.

Landi W12 Engine Saveferris888

Der Life L190 entstand in einer Phase tiefgreifender technischer Veränderungen. Nachdem die Turbomotoren Ende der 1980er-Jahre aus der Formel 1 verschwunden waren, bestimmten hochdrehende Saugmotoren das Geschehen. Hersteller wie Honda, Ferrari und Renault investierten enorme Summen in die Entwicklung immer leistungsfähigerer Aggregate. Gleichzeitig ließ das Reglement noch Raum für unkonventionelle Ideen. Genau hier setzte der Unternehmer Ernesto Vita an.

Mit seinem Team Life Racing Engines verfolgteder Modeneser Geschäftsmann Ernesto Vita (Vita = Life) das Ziel, einen eigenen Formel-1-Rennwagen mit einem selbst entwickelten Motor an den Start zu bringen. Für den Antrieb sicherte er sich die Rechte an einem von Ingenieur Franco Rocchi konstruierten W12-Motor. Rocchis Konzept war selbst für die innovationsfreudige Formel 1 außergewöhnlich. Der Life F35 bestand aus drei Zylinderbänken mit jeweils vier Zylindern, die in einem Winkel von 60 Grad angeordnet waren. Bis heute ist er der einzige Motor in W12-Konfiguration, der jemals zu einem Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft gemeldet wurde. Jeder Zylinder verfügte über fünf Ventile, jede Zylinderbank über zwei obenliegende Nockenwellen. Der Hubraum betrug 3.493 Kubikzentimeter. Die kompakte Bauweise sollte die Vorteile verschiedener Motorkonzepte vereinen und gleichzeitig eine günstige Gewichtsverteilung ermöglichen.

Auf dem Papier klang die Idee vielversprechend. In der Praxis erwies sich der Motor jedoch als Albtraum. Er entwickelte deutlich weniger Leistung als die Konkurrenz, litt unter starken Vibrationen und galt als äußerst unzuverlässig. Während die Spitzenteams bereits Leistungen von deutlich über 600 PS erreichten, kämpfte der Life L190 häufig damit, überhaupt konkurrenzfähig zu funktionieren. Die Folge waren enorme Rückstände bereits im Qualifikationstraining.

Landi Life 190 W12

Auch das Fahrzeug selbst war problematisch. Seine lange, schmale Nase, die freistehenden Aufhängungen und die kompakten Seitenkästen entsprachen zwar den aerodynamischen Vorstellungen der späten 1980er-Jahre, doch das Chassis des übernommenen First 189 galt als fragil und fehlerhaft gefertigt. Hinzu kamen defekte Aufhängungsteile und ein ungewöhnlich tief ausgeschnittenes Cockpit, das Sicherheitsbedenken hervorrief. Die chronische Unterfinanzierung des Teams verschärfte die Situation zusätzlich, da oft nicht einmal ausreichende Ersatzteile zur Verfügung standen und an die Entwicklung eines neuen, stabileren Chassis kaum zu denken war.

Auffällig war auch die Gestaltung des Wagens. Auf der Karosserie befand sich die Flagge der Sowjetunion, die damals noch bestand und auf das Sankt Petersburger Industrieunternehmen PiC verwies, das zu den Unterstützern des Projekts gehörte.

Im Verlauf der Saison wurde das ursprüngliche W12-Projekt schließlich aufgegeben. Das Team wechselte auf einen Judd-V8-Motor, doch auch dieser Schritt konnte die grundlegenden Probleme nicht lösen. Die Qualifikationshürden der damaligen Formel 1 waren für das kleine Team schlicht zu hoch.

Trotz seines sportlichen Misserfolgs besitzt der Life L190 heute einen besonderen Platz in der Geschichte des Motorsports. Er dokumentiert eine Epoche, in der private Konstrukteure noch die Möglichkeit hatten, mit eigenen Ideen in die Formel 1 vorzudringen. Das Risiko war enorm, die Erfolgsaussichten gering. Dennoch entstanden Projekte, die bis heute faszinieren. Der Life L190 erinnert daran, dass die Geschichte der Formel 1 nicht nur von Weltmeistern und Rekorden geprägt wird. Sie wird ebenso von Visionären, Außenseitern und mutigen Konstrukteuren geschrieben, die bereit waren, gegen jede Vernunft anzutreten.

Landi Life 190 W12

Fotos: Rainer Roßbach (2), Brian Snelson (1), Saveferris888 (1)/Text: Rainer Roßbach