
Auf Basis des Tipo 61 entwickelte Maserati gemeinsam mit Piero Drogo und der Carrozzeria Allegretti einen aerodynamisch optimierten Prototyp für Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Le Mans. Sein einzigartiger Gitterrohrrahmen, die stromlinienförmige Aluminiumkarosserie und seine dokumentierte Rennhistorie machen ihn zu einer Ikone des italienischen Motorsportbaus.
Grundlage des Langheck mit der Chassis-Nummer 2451 war der von Giulio Alfieri entwickelte Tipo 61, dessen revolutionärer Spaceframe-Rahmen aus rund zweihundert dünnwandigen Chrom-Molybdän-Stahlrohren bestand. Die filigrane Konstruktion wog lediglich rund 30 Kilogramm und verband außergewöhnliche Verwindungssteifigkeit mit minimalem Gewicht. Dieses Chassis verschaffte dem Rennwagen seinen bis heute legendären Beinamen „Birdcage“ und setzte Ende der 1950er-Jahre neue Maßstäbe im Leichtbau.
Für die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Le Mans genügte jedoch ein leichtes Fahrwerk allein nicht. Deshalb erhielt eines der Birdcage-Chassis eine vollständig neu entwickelte Langheckkarosserie. Das aerodynamische Konzept entstand unter der Leitung von Piero Drogo, während die Carrozzeria Allegretti in Modena die Aluminiumkarosserie in aufwendiger Handarbeit fertigte.

Die langgezogene Front, die fließend auslaufende Heckpartie und die ungewöhnlich geformte Panorama-Windschutzscheibe reduzierten den Luftwiderstand deutlich. Gleichzeitig sorgte die Karosserie für eine höhere Fahrstabilität bei sehr hohen Geschwindigkeiten. Selbst bündig eingesetzte Scheinwerfer und weitgehend verkleidete Räder dienten ausschließlich der Verbesserung der Aerodynamik.
Angetrieben wurde der Birdcage weiterhin vom 2,9 Liter großen Vierzylindermotor des Tipo 61 mit einer Leistung von rund 250 PS. In Verbindung mit einem Fahrzeuggewicht von lediglich etwa 600 Kilogramm entstand ein außergewöhnliches Leistungsgewicht.

Der Birdcage Streamliner war zu seiner Zeit das schnellste Fahrzeug auf den Geraden. Seine strömungsgünstige Karosserie machte ihn selbst den Ferrari 250 Testa Rossa überlegen. Während des 24-Stunden-Rennens von Le Mans übernahm der Maserati zeitweise die Führung und demonstrierte eindrucksvoll das Potenzial des Konzepts. Das Rennen endete jedoch vorzeitig infolge eines Defekts an der elektrischen Anlage.
Giulio Alfieris revolutionärer Spaceframe, Piero Drogos aerodynamisches Konzept und die Handwerkskunst der Carrozzeria Allegretti vereinten sich in einem einzigartigen Rennwagen. Der Langheck- Birdcage ist ein automobiles Unikat, das die Innovationskraft des italienischen Rennwagenbaus der frühen 1960er-Jahre bis heute eindrucksvoll verkörpert.

Fotos/Text: Rainer Roßbach
