
Mit dem neuen GT4 R erweitert Porsche Motorsport sein Angebot im internationalen Kundensport und setzt erstmals in der weltweiten GT4-Kategorie auf die Plattform des Porsche 911. Bisher basierten die GT4-Rennfahrzeuge des Herstellers auf dem 718 Cayman. Der neue Rennwagen schließt künftig die Lücke im oberen Leistungsbereich des GT4-Segments und soll ab der Motorsport-Saison 2027 weltweit bei Kundenteams zum Einsatz kommen.
Technische Grundlage des neuen Modells ist die aktuelle Cup-Version auf Basis des straßenzugelassenen Porsche 911 GT3 der Generation 992.2. Gegenüber den bisherigen GT4-Clubsport-Modellen bietet der 911 GT4 R ein leistungsstärkeres Triebwerk, größere Spurweiten sowie eine weiterentwickelte Motorsport-Elektronik. Diese Kombination verbessert nach Angaben von Porsche insbesondere Rundenzeiten, Fahrbarkeit und Standfestigkeit im Renneinsatz.

Im Heck arbeitet ein hochdrehender 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxermotor, dessen Konstruktion auf dem Antrieb des aktuellen 911 GT3 basiert. In der Rennversion entwickelt das Aggregat bis zu 382 kW (520 PS) und stellt maximal 470 Newtonmeter Drehmoment bereit. Wie in der GT4-Kategorie üblich, richtet sich die tatsächlich verfügbare Leistung nach der jeweiligen Balance-of-Performance-Einstufung. Deshalb wird der Rennwagen bereits ab Werk mit Luftmengen-Restriktoren von 53,7 Millimetern ausgeliefert, wodurch sich die Leistung auf 316 kW (430 PS) reduziert. Die Kraftübertragung übernimmt ein sequenzielles Sechsgang-Klauengetriebe mit Schaltwippen am Lenkrad sowie einer Vierscheiben-Rennkupplung.
Auch das Fahrwerk wurde gezielt auf die Anforderungen des GT4-Reglements abgestimmt. Im Unterschied zum 911 Cup kommen jeweils um einen Zoll schmalere Räder mit seriennaher Fünf-Loch-Befestigung zum Einsatz. Zweifach einstellbare Dämpfer sowie drei unterschiedliche Federraten erweitern die Möglichkeiten zur individuellen Abstimmung auf verschiedene Rennstrecken und Einsatzbedingungen.

Die Karosserie übernimmt wesentliche Strukturen des 911 Cup einschließlich aerodynamischer Optimierungen. Der Heckflügel lässt sich manuell in elf Positionen einstellen. Gleichzeitig setzt Porsche verstärkt auf Naturfaser-verstärkte Verbundwerkstoffe mit Epoxidharz. Türen, Motorabdeckung, Aerodynamikbauteile sowie Komponenten des Cockpits bestehen aus diesem Material und tragen zur Gewichtsoptimierung des Rennfahrzeugs bei.
Im Cockpit informiert ein 10,3 Zoll großes Farbdisplay den Fahrer über sämtliche relevanten Fahrzeugdaten. Ergänzt wird die Ausstattung durch einen integrierten Datenlogger und ein präzises GPS-System zur Analyse und Auswertung der gefahrenen Runden. Zusätzliche Ballast-Komponenten ermöglichen die Anpassung des Fahrzeuggewichts an die jeweilige Balance-of-Performance-Einstufung.
Mit dem neuen 911 GT4 R reagiert Porsche auf die wachsende Bedeutung der internationalen GT4-Kategorie. Diese gilt heute als wichtiger Baustein zwischen seriennahen Rennfahrzeugen und dem professionellen GT3-Sport. Gleichzeitig erweitert der Hersteller seine erfolgreiche Kundensport-Historie, die seit 2016 mehr als 1.500 produzierte GT4-Rennfahrzeuge auf Basis des Cayman umfasst. Erstmals steht Kundenteams damit ein GT4-Rennwagen zur Verfügung, der auf der traditionsreichen 911-Baureihe basiert und die Motorsporttechnik des aktuellen Cup-Elfers in die weltweit etablierte GT4-Klasse überträgt.

Fotos: Porsche/Text: Rainer Roßbach
