Bluebird K7

Rétromobile 2027: Bluebird K7 (1967)

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Bluebird K7

Der Bluebird K7 kommt zur Rétromobile 2027 nach Paris. Das legendäre Wasserrekordboot von Donald Campbell steht im Mittelpunkt einer Sonderausstellung in Pavillon 7.2. Gemeinsam mit dem Ruskin Museum präsentiert die Oldtimermesse die Geschichte einer Maschine, die sieben Weltrekorde auf dem Wasser ermöglicht und zugleich eines der dramatischsten Kapitel der Rekordjagd geschrieben hat.

Die Geschichte der Bluebird-Fahrzeuge beginnt mit Sir Malcolm Campbell. Der am 11. März 1885 geborene Brite widmet sein Leben dem Streben nach immer höheren Geschwindigkeiten. Seine Rekordfahrzeuge tragen den Namen Blue Bird, inspiriert von Maurice Maeterlincks Theaterstück „The Blue Bird“. Zwischen Automobilen und Rennbooten entwickelt sich daraus eine der bekanntesten Rekordserien der Motorsportgeschichte.

Am 3. September 1935 erreicht Malcolm Campbell in Daytona mit seinem Landfahrzeug 482 km/h. Anschließend konzentriert er sich auf den Wasserrekord. Mit dem Motorboot Blue Bird K4 erzielt er am 19. August 1939 eine Geschwindigkeit von 228,108 km/h. Nach mehreren Schlaganfällen stirbt Campbell 1948 im Alter von 63 Jahren. Sein Sohn Donald übernimmt den Traum, die Grenzen der Geschwindigkeit weiter zu verschieben.

Donald Campbell, geboren am 23. März 1921, versucht zunächst, mit der K4 an die Erfolge seines Vaters anzuknüpfen. Doch die Technik entwickelt sich weiter. Nachdem der Rekordfahrer John Cobb 1952 bei einem Rekordversuch ums Leben kommt, stellt Campbell seine eigenen Pläne zunächst infrage. Schließlich entscheidet er sich für die Entwicklung eines völlig neuen Wasserrekordboots.

Der Bluebird K7 unterscheidet sich deutlich von konventionellen Rennbooten. Seine Konstruktion mit drei Aluminium-Schwimmkörpern, sogenannten Sponsons, und einem Strahltriebwerk ist konsequent auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Der Name K7 geht auf die Registrierung als siebtes Boot der unbegrenzten Leistungsklasse bei Lloyd’s Register zurück. Das technische Konzept soll Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h ermöglichen.

Zwischen Juli 1955 und Dezember 1964 verbessert Donald Campbell mit dem Bluebird K7 siebenmal den Weltrekord für Motorboote. Parallel verfolgt er das Ziel, auch auf dem Land Geschwindigkeitsgeschichte zu schreiben. Mit dem turbinengetriebenen Bluebird CN7 verunglückt er auf den Bonneville Salt Flats bei mehr als 580 km/h und erleidet einen Schädelbruch. Nach dem Wiederaufbau des Fahrzeugs setzt er seine Versuche auf dem Lake Eyre in Australien fort. 1964 hält Campbell als bislang einziger Mensch gleichzeitig den absoluten Land- und Wasser-Geschwindigkeitsweltrekord.

Doch auch die zuletzt erreichten 444,7 km/h auf dem Wasser genügen ihm nicht. Campbell will die Marke von 300 Meilen pro Stunde knacken, umgerechnet rund 483 km/h. Anfang Januar 1967 kehrt er dafür nach Coniston Water im Nordwesten Englands zurück. Der Bluebird K7 erhält ein Bristol-Siddeley-Orpheus-Strahltriebwerk sowie eine neue Stabilisierungsflosse. Das Ziel ist die Überschreitung der 300-mph-Grenze.

Am 4. Januar 1967 gelingt Campbell bei einem ersten Lauf kurzzeitig eine Geschwindigkeit von 311 mph, rund 501 km/h. Für die Anerkennung des Rekords muss er die Leistung über die vorgeschriebene Strecke bestätigen. Bei der zweiten Fahrt kommt es zur Katastrophe: Das Triebwerk setzt aus, die Bluebird K7 hebt sich steil aus dem Wasser und zerbricht beim Aufprall. Donald Campbell stirbt. Das Wrack sinkt, sein Leichnam bleibt zunächst verschwunden.

Der Bluebird K7 steht heute für den technischen Ehrgeiz einer Epoche, in der Strahltriebwerke neue Geschwindigkeitsdimensionen erschließen. Ihre Präsentation auf der Rétromobile 2027 verbindet die Geschichte außergewöhnlicher Ingenieursleistungen mit dem tragischen Schicksal ihres Piloten.

Fotos: Rétromobile/Text: Rainer Roßbach