Soichiro Honda, Honda RA 270

Honda Formel 1: Einstieg der Japaner (1964)

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Honda RA 270

1961 besuchte Firmengründer Soichiro Honda erstmals den Großen Preis von Italien. Dieser Besuch wurde zum Auslöser für eines der ambitioniertesten Projekte der damaligen Motorsportwelt: Hondas Einstieg in die Formel 1. Bereits im Mai 1962 wurde das Vorhaben intern vorgestellt. Nur zwei Jahre später stand Honda erstmals offiziell in der Startaufstellung der Formel-1-Weltmeisterschaft. Für einen Hersteller ohne jede Erfahrung im Automobil-Grand-Prix-Sport war dieses Tempo außergewöhnlich.

Die technische Leitung übernahm Yoshio Nakamura, ein ehemaliger Flugmotoreningenieur. Nakamura begann Anfang 1963 mit der Entwicklung von Hondas erstem Formel-1-Antrieb. Das Entwicklerteam war äußerst klein: Rund 20 Spezialisten arbeiteten gleichzeitig an Serienfahrzeugen, Prototypen und dem Formel-1-Projekt. Trotz der begrenzten Ressourcen entstand innerhalb kürzester Zeit ein technisch hochkomplexer Rennmotor.

Honda entschied sich bewusst für einen 1,5-Liter-V12-Motor mit DOHC-Technik. Während die Konkurrenz überwiegend auf V6- oder V8-Konzepte setzte, wollte Honda seine Erfahrungen aus dem Motorrad-Grand-Prix-Sport nutzen. Die Japaner verfügten bereits über enorme Kompetenz bei hochdrehenden Mehrzylinder-Motoren, darunter 50-ccm-Zweizylinder und 250-ccm-Reihensechszylinder aus dem Motorradrennsport. Dieses Wissen floss direkt in den Formel-1-Motor RA270E ein.

Honda RA 270
Honda RA 270

Der neue V12 entwickelte im Prüfstand bereits mehr als 220 PS und lag damit rund 40 PS über vielen Konkurrenzaggregaten. Zusätzlich konstruierte Honda ein quer eingebautes Getriebe, das ebenfalls auf Technologien aus dem Motorradrennsport basierte. Für Testfahrten entstand mit dem RA270 ein Prototyp-Chassis auf Basis eines älteren Cooper-Climax-Rennwagens.

Ursprünglich plante Honda lediglich als Motorenlieferant einzusteigen. Gespräche mit Teams wie Brabham und Lotus verliefen zunächst vielversprechend. Lotus-Gründer Colin Chapman wollte Honda-Motoren exklusiv einsetzen und sogar den späteren Weltmeister Jim Clark verpflichten. Doch die Vereinbarung platzte kurzfristig. Für Honda bedeutete dies einen radikalen Kurswechsel.

Soichiro Honda entschied daraufhin, ein komplettes Formel-1-Fahrzeug in Eigenregie zu bauen. Trotz fehlender Erfahrung gab er die Entwicklung des RA271 frei. Bereits im August 1964 debütierte der Wagen beim Großen Preis von Deutschland. Damit wurde Honda zum ersten japanischen Konstrukteur der Formel-1-Geschichte.

Der kompromisslose technische Ansatz, die hohe Entwicklungsdynamik und der Mut zur Eigenständigkeit machten Hondas erstes Formel-1-Projekt zu einem Meilenstein des internationalen Motorsports. Die erste Formel-1-Ära der Japaner begann mit einem enormen Risiko – und mit einem technischen Anspruch, der die Motorsportwelt nachhaltig beeindruckte.

Honda RA 271
Honda RA 271

Fotos: Honda/Text: Rainer Roßbach