
Der Name Connew gehört zu jenen nahezu vergessenen Kapiteln der Formel-1-Geschichte, die den Mythos des Grand-Prix-Sports bis heute prägen. Während etablierte Werksteams Anfang der siebziger Jahre ihre Entwicklungsabteilungen kontinuierlich ausbauten und Budgets in bislang neue Dimensionen wuchsen, entstand im Londoner Stadtteil Chadwell Heath ein Rennwagen unter Bedingungen, die heute kaum mehr vorstellbar erscheinen. Peter Connew, zuvor Konstrukteur bei Surtees, verließ seinen Arbeitgeber und beschloss, mit zwei engen Weggefährten einen eigenen Formel-1-Wagen zu entwickeln. Aus einer kleinen Werkstatt entstand innerhalb von rund 18 Monaten die Connew PC1 – ein Monoposto, der durch konstruktive Intelligenz überzeugen wollte.
Der Wagen folgte einer klaren technischen Philosophie. Connew wollte kein experimentelles Prestigeobjekt bauen, sondern ein Fahrzeug, das einfach zu warten, effizient aufgebaut und aerodynamisch sauber gestaltet war. Die Monocoque-Struktur bestand aus Aluminium, als Antrieb diente der bewährte Ford-Cosworth-DFV-V8 in Verbindung mit einem Hewland-Getriebe. Besonders bemerkenswert war die Anordnung der Kühler, die eine günstige Gewichtsverteilung mit einer schlanken Karosserie verband.
Kurz vor dem geplanten Debüt änderte das Reglement die Anforderungen an das Monocoque. Für das kleine Team bedeutete dies praktisch einen Neubeginn. Das erste Chassis musste aufgegeben werden, ein zweites entstand unter enormem Zeitdruck. Gleichzeitig fehlten finanzielle Reserven für umfangreiche Tests oder Ersatzteile. Bereits der Transport zum Frankreich-Grand-Prix wurde von einer Panne des Lastwagens überschattet. Statt eines Renneinsatzes blieb lediglich ein Test auf dem Bugatti Circuit in Le Mans.
Beim Großen Preis von Großbritannien erschien die Connew schließlich erstmals offiziell im Fahrerlager. Der französische Fahrer François Migault qualifizierte das Fahrzeug zwar, musste jedoch nach einem Defekt an der Aufhängung vor dem Start zurückziehen. Auch beim Deutschland-Grand-Prix blieb der Rennwagen ohne Einsatz. Erst beim Österreich-Grand-Prix 1972 gelang der einzige WM-Start der Teamgeschichte. Migault hielt sich respektabel im Feld, ehe erneut eine gebrochene Radaufhängung das Rennen vorzeitig beendete. Damit blieb der sportliche Ertrag bescheiden, doch der technische Anspruch des Projekts fand weithin Anerkennung.
Das Fahrzeug entstand in einer Zeit, in der Konstrukteure noch vergleichsweise unabhängig arbeiteten konnten. Jedes Bauteil wurde von Hand konstruiert. Die Entwicklung erfolgte mit einfachsten Mitteln, dennoch entstand ein vollwertiger Grand-Prix-Wagen, dessen technische Lösungen keineswegs rückständig wirkten.
Nach dem Formel-1-Abenteuer erhielt das Chassis eine zweite Karriere. Für die europäische Formel-5000-Serie wurde der Cosworth-Motor gegen einen Chevrolet-V8 ersetzt. Die Veränderung brachte jedoch auch keinen nachhaltigen Erfolg. Verschiedene Fahrer kamen zum Einsatz, doch technische Defekte und fehlende Wettbewerbsfähigkeit verhinderten nennenswerte Resultate. Beim Saisonfinale in Brands Hatch wurde das Fahrzeug schließlich irreparabel beschädigt. Damit endete die Geschichte eines der kleinsten Konstrukteure der Grand-Prix-Historie.
Fotos/Text: Rainer Roßbach
