MARSIEN GT

„Marsien“ GT

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MARSIEN GT

Wo Gemballas „Marsien“ bislang die Grenze zwischen Supersportwagen und Geländefahrzeug auslotete, konzentriert der GT seine technische Architektur auf optimales Handling auf Asphalt. Das Ergebnis ist kein klassisches Facelift, sondern eine tiefgreifende Neukonstruktion auf Basis des Porsche 992 Turbo S. Der „Marsien“ war von Beginn an ein ungewöhnliches Automobil. Präsentiert 2021, verband er die Silhouette eines modernen Supersportwagens mit einer Fahrwerksarchitektur, die auch abseits befestigter Straßen funktionieren sollte. Die Inspiration kam aus der Ära der Paris-Dakar-Rallye. Der neue „Marsien“ GT schlägt nun die entgegengesetzte Richtung ein: die technische Priorität verschiebt sich konsequent auf Fahrdynamik, Präzision und Alltagstauglichkeit.

Die Basis bildet weiterhin ein Porsche 992 Turbo S. Von diesem Serienfahrzeug bleibt allerdings weit weniger übrig, als die Herkunft vermuten lässt. Rund 1.500 individuell entwickelte und gefertigte Komponenten werden in die „Marsien“-Plattform integriert. Dazu gehören Karosserie, Fahrwerk, Abgasanlage, Elektrik, Aerodynamik, Innenraum und zahlreiche technische Baugruppen. Mehrere tausend Stunden Entwicklungs- und Konstruktionsarbeit fließen damit in ein Fahrzeug, das nicht als modifizierter Porsche verstanden werden soll, sondern als eigenständiges Collector Car.

Besonders deutlich wird dieser Anspruch an der Karosserie. Mehr als 100 Carbonfaser-Komponenten bilden den vollständig neu entwickelten Außenkörper. Luftführungen, Außenspiegel, Radhausverkleidungen, Seitenschweller, Unterboden und das großflächige Heckpanel sind Teil einer Architektur, die Gewicht und Luftstrom gleichermaßen optimiert. Gegenüber dem Porsche 992 Turbo S sollen dadurch 75 Kilogramm eingespart werden. Verantwortlich für die Gestaltung ist erneut Alan Derosier, der bereits den ursprünglichen „Marsien“ entworfen hat. Seine Arbeit übersetzt die technische Radikalität in eine vergleichsweise ruhige, klar gespannte Form.

MARSIEN GT

Die Aerodynamik des „Marsien“ GT geht deutlich weiter als bei einem konventionellen Hochleistungs-GT. Pneumatisch betätigte Klappen in den vorderen Kotflügeln reduzieren den Druck in den Radhäusern und damit Auftrieb sowie Verwirbelungen an der Vorderachse. Am Heck arbeitet ein aktiv verstellbarer Flügel mit größerem Anstellwinkel, der bei hohem Tempo zusätzlichen Abtrieb erzeugt und bei Bedarf als Luftbremse fungiert. Ein Dachaufsatz führt ungestört Luft zu den Ladeluftkühlern, während separate Ram-Air-Einlässe die Ansaugung versorgen. Weitere Öffnungen in den Seitenschwellern unterstützen die Kühlung der hinteren Bremsen. Der bisherige Aluminium-Unterboden weicht einer vollständigen Carbonstruktur, die Gewicht spart und die Luftführung zum Diffusor verbessert.

Noch wichtiger für den Charakter des GT ist das neue Fahrwerk. Gemeinsam mit KW Automotive wurde eine vollständig neue Doppelquerlenker-Konstruktion entwickelt. Die elektronisch geregelten Dämpfer basieren auf KW-Dämpfertechnologie und können Zug- und Druckstufe unabhängig voneinander beeinflussen. Zwei elektromagnetische Proportionalventile pro Dämpfer ermöglichen Reaktionen innerhalb von rund 20 Millisekunden. Damit soll der Spagat zwischen unmittelbarer Reaktion und GT-Komfort gelingen. Die serienmäßige Fahrzeughöhe beträgt 100 Millimeter. Für Rampen, Garageneinfahrten und Bodenwellen kann die Vorderachse um 60 Millimeter angehoben werden.

Die Verbindung zwischen Fahrwerk und Antrieb bildet ein überarbeitetes Sechszylinder-Boxertriebwerk. Wie beim „Marsien“ arbeitet Marc Philipp Gemballa auch beim GT mit RUF Automobile zusammen. Das Aggregat erhält optimierte VTG-Turbolader, eine überarbeitete Motorsteuerung und eine angepasste Getriebeabstimmung. Die Leistung steigt auf mehr als 830 PS, das maximale Drehmoment liegt bei 930 Newtonmetern. Eine zweite Ausbaustufe mit mehr als 900 PS befindet sich bereits in Entwicklung. Die Zusammenarbeit mit RUF ist historisch: Das Unternehmen hatte bereits in den 1980er-Jahren mit Uwe Gemballa an leistungsstarken Porsche-Antrieben gearbeitet.

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Akrapovič ergänzt das technische Konzept mit einer eigens entwickelten Vierrohr-Abgasanlage aus Titan. Das Material reduziert Gewicht und verleiht dem Heck gleichzeitig eine klare technische Signatur. Zusammen mit den sechsfach geschmiedeten Aluminiumrädern und Michelin Pilot Sport Cup 2 entsteht ein Paket, das den „Marsien“ GT eindeutig näher an einen kompromisslosen Straßen-Sportwagen rückt als an seinen Dakar-inspirierten Vorgänger.

Auch im Innenraum setzt sich diese Haltung fort. Die angehobene Mittelkonsole trägt einen Aluminium-Schalthebel, der an den Porsche Carrera GT erinnert. Carbon oder Mahagoni können beim Schalthebel an die Stelle von Leder oder Alcantara treten. Handnähte, Carbonflächen, individuell konfigurierbare Überrollbügel und die fortlaufende Produktionsnummer machen aus dem Cockpit einen individuell gefertigten Raum. Das Fahrzeug trägt dunkelgraues Alcantara, Carbon-Schalensitze und Akzente in Champagner, abgestimmt auf die Außenfarbe „Anniversary Liquid Champagne Gold“.

Diese Farbe ist zugleich Teil der Familiengeschichte. Zum 70. Geburtstag von Uwe Gemballa wurde ein vierschichtiger Champagner-Gold-Ton entwickelt, dessen Perleffekt subtil an das ursprüngliche Perlmuttweiß des „Marsien“ erinnert. Noch stärker als die Farbe erzählt jedoch die Stückzahl die Geschichte: Der „Marsien“ GT bleibt auf 30 Fahrzeuge limitiert. Zusammen mit dem bisherigen „Marsien“ ergibt sich eine Gesamtproduktion von 70 Exemplaren – eine Referenz an das 70-jährige Jubiläum von Uwe Gemballa.

Die Serienproduktion beginnt nach den vorliegenden Angaben 2027, erste Auslieferungen sind für Ende 2027 vorgesehen. Der Reiz des „Marsien“ GT liegt damit in der Schiern Kraft von 830 PS als in der Konsequenz seiner Konstruktion. Marc Philipp Gemballa nimmt die extreme Idee des ursprünglichen „Marsien“ und entfernt jene Komponenten, die für das Abenteuer abseits des Asphalts notwendig waren. Übrig bleibt ein technisch hochkomplexer Grand Tourer, dessen Herkunft aus der Rallye-Welt noch sichtbar ist, dessen Entwicklungsziel aber eindeutig auf der Straße liegt. 

Fotos: Marc Philipp Gemballa GmbH, Oskar Bakke/Text: Rainer Roßbach