
Der neue Widebody-Fastback kombiniert ein Carbonfaser-Monocoque mit einem 3,6-Liter-Biturbo-Boxermotor, 650 PS, Siebengang-Handschaltung und vollvariablem Allradantrieb. Der Name Ehra verweist auf das Testgelände Ehra-Lessien und auf Rennfahrer Phil Hill. Hill stellte dort mit dem ursprünglichen Ruf CTR Yellowbird einen Geschwindigkeitsrekord auf. Beim Ehra wird dieser Bezug mit einem Konzept verbunden, das nicht allein maximale Performance, sondern auch längere Distanzen und unterschiedliche Fahrbedingungen berücksichtigt.
Technisch basiert der Ruf Ehra auf der proprietären Carbonfaser-Monocoque-Plattform, die auch beim CTR Anniversary zum Einsatz kommt. Die einteilige Struktur bildet das leichte und steife Rückgrat des Fahrzeugs. Für den Ehra entwickelt Ruf jedoch eine eigenständige Karosserie. Die Spurweite wächst vorn um 58 Millimeter und hinten um 54 Millimeter. Dadurch entsteht eine deutlich breitere Karosserie, die in ein lang gezogenes Fastback-Heck übergeht. Die aerodynamische Gestaltung unterscheidet sich ebenfalls vom CTR Anniversary. Anstelle des feststehenden Whale-Tails verwendet Ruf einen Heckspoiler aus Carbonfaser. Dieser fährt bei Autobahngeschwindigkeit aus und kann zusätzlich manuell aus dem Innenraum gesteuert werden. Neu gestaltete Front- und Heckpartien übernehmen Aufgaben bei Kühlung und Luftführung. Fünfspeichen-Schmiederäder mit Zentralverschluss ergänzen das technische Konzept.

Im Mittelpunkt des Ruf Ehra steht ein 3,6 Liter großer Sechszylinder-Boxermotor mit zwei Turboladern. Der Biturbo-Motor entwickelt 650 PS und 900 Nm Drehmoment. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Siebengang-Handschaltgetriebe. Die Kraft gelangt anschließend über einen vollvariablen Allradantrieb an die Räder. Ein Sperrdifferenzial unterstützt dabei den deutlich heckbetonten Charakter des Fahrzeugs. Die Kombination aus 650 PS, Handschaltung und variablem Allradantrieb hebt den Ehra technisch hervor. Während viele moderne Sportwagen auf automatisierte Getriebe und umfangreiche elektronische Regelsysteme setzen, stellt Ruf beim Ehra die direkte Verbindung zwischen Fahrer und Antrieb in den Mittelpunkt.
Auch das Fahrwerk ist konsequent auf diese technische Philosophie abgestimmt. An allen vier Rädern arbeiten Doppelquerlenker. Hinzu kommen horizontal angeordnete adaptive Dämpfer, die über Pushrods betätigt werden. Die Fahrwerkskomponenten liegen innerhalb der Karosseriestruktur. Dieses Layout basiert auf der von Ruf für die aktuellen Carbon-Monocoque-Fahrzeuge entwickelten Architektur und ermöglicht eine präzise Kontrolle der Radbewegungen. Beim Ehra wird die Abstimmung nicht ausschließlich auf maximale Reaktionsgeschwindigkeit ausgelegt. Ruf berücksichtigt ausdrücklich auch längere Fahrstrecken. Damit erhält der Ehra innerhalb der RUF-Modellfamilie eine eigene technische Ausrichtung zwischen kompromissloser Performance und Langstreckenfähigkeit.

Das erste Produktionsfahrzeug ist in Liquid Silver lackiert. Die Farbe betont die breiten Karosserieflächen und das lange, weitgehend ununterbrochene Fastback-Heck. Im Innenraum kombiniert Ruf natürlich braunes Leder mit einer handgenähten Pasha-Karooptik und dunklen matten Carbonflächen. Die Instrumente sind im charakteristischen Ruf-Grün ausgeführt und sitzen in einem Fünf-Instrumente-Cluster. Klappbare Carbon-Schalensitze gehören ebenfalls zum Konzept. Elektronisch ausfahrende Türgriffe schließen bündig mit der Karosserie ab. Die Öffnungen der hinteren Seitenfenster dienen gleichzeitig als integrierte Lufteinlässe.
Mit dem Ehra erweitert Ruf damit seine Carbon-Monocoque-Familie um ein Fahrzeug, dessen technische Auslegung nicht allein auf maximale Rundenperformance zielt. Der 650 PS starke Biturbo-Boxer, das Siebengang-Handschaltgetriebe, der vollvariable Allradantrieb und das Pushrod-Fahrwerk verbinden hohe Performance mit einem Konzept für längere Fahrstrecken.




Fotos: Ruf/Text: Rainer Roßbach
